Manchmal geht es vielleicht gar nicht anders, da ein Umzug für Studium, Ausbildung oder Arbeit notwendig ist. Manchmal ist es aber auch einfach der Wunsch nach Selbstständigkeit und das Gefühl, dass es jetzt Zeit ist, auf eigenen Beinen zu stehen. So oder so, der Umzug in die erste eigene Wohnung gilt als großer Schritt. Vielleicht der wichtigste Schritt in ein eigenständiges Leben. Damit dieser Schritt nicht in finanzielle Notlagen führt, ist es wichtig zu wissen, was die erste Wohnung für Kosten mit sich bringt.
Gerade am Anfang ist es nicht immer ganz einfach, dabei den Überblick zu bewahren. Von Kaltmiete und Mietkaution, über Nebenkosten, bis zu Möbeln, Haushaltsgeld und ggf. Versicherungen muss einiges bedacht werden. Wie hoch sind die Kosten für meine erste Wohnung im Monat, welche Anschaffungen kommen beim Umzug auf mich zu und welche Unterlagen sind notwendig? Gibt es finanzielle Hilfen und wo kann ich vielleicht Kosten sparen? Im Folgenden findet ihr die wichtigsten Infos und Tipps zum Thema, die euch hoffentlich auf dem Weg in die erste eigene Wohnung helfen. Weitere sinnvolle Informationen zur Finanzierung der ersten eigenen Wohnung gibt es unter www.vr.de/junge-kunden/ihre-ziele/erste-eigene-wohnung.html.
Das Wichtigste: Miete und Nebenkosten
Die Miete macht den größten Teil der Kosten aus, die jetzt neu auf euch zukommen. Unterschieden wird zwischen Kaltmiete (nur Raumnutzung) und Warmmiete (Raumnutzung inklusive Neben- und Betriebskosten). Mit Neben- und Betriebskosten ist der Verbrauch den ein Mieter bei Heizung, Wasser und Strom hat, aber auch Gebühren für Müllabfuhr, Schornsteinfeger, usw. gemeint.
Die Durchschnittsmietkosten für einen Quadratmeter Wohnraum (Kaltmiete) liegen in Deutschland bei etwa sechs Euro pro Monat. Je nach Region, Wohnlage und Zustand der Wohnung kann dieser Preis aber natürlich stark variieren. Wer sich genauer orientieren möchte, kann im Internet nach dem Mietspiegel seiner Stadt oder Region suchen.
Für die Nebenkosten wird in der Regel jeden Monat ein zusätzlicher Betrag zur Miete aufgeschlagen. Durchschnittlich kann man hier von einem Betrag von 2,20 Euro pro Quadratmeter für eine Person im Monat ausgehen. Auch hier gibt es aber Unterschiede der Kosten. Einmal jährlich werden die gezahlten Nebenkosten mit den tatsächlich entstandenen verrechnet. Eventuell muss der Mieter dann nachzahlen oder bekommt etwas vom Vermieter zurück. Sparsamkeit im Haushalt und der sparsame Gebrauch von Wasser, Strom und Heizung kann sich also lohnen.
Neben der regulären Miete wird in der Regel eine Kaution fällig, wenn der Mietvertrag unterschrieben wird. Die meisten Vermieter verlangen etwa drei Monatsmieten. Ein Betrag, der vom Vermieter bei Auszug wieder an den Mieter ausgezahlt wird, sofern die Wohnung im vereinbarten Zustand ist. Die genauen Konditionen regelt der Mietvertrag.
Geht man von diesen Durchschnittswerten aus, käme man für eine 40 Quadratmeter große Wohnung auf eine Kaltmiete von 240 Euro und monatliche Nebenkosten von 88 Euro, insgesamt also eine Belastung von 328 Euro im Monat. Für die Kaution müsstet ihr 984 Euro aufbringen (oft auch nur drei Kaltmieten).

Ohne geht es nicht: Möbel und andere Anschaffungen
Auch wenn die erste Wohnung klein ist und man einiges aus dem heimischen Zimmer mitnehmen kann, stehen einige Anschaffungen an, wenn der Umzug in die eigene Wohnung naht. In dieser Kategorie muss vieles Bedacht werden, denn mit Bett, Tisch und Küchenschrank ist es nicht getan. Letzterer nutzt euch nämlich wenig, wenn er leer ist.
Es kann sinnvoll sein, sich rechtzeitig vor dem Umzug schon mal Gedanken zu machen, welche Gegenstände des täglichen Gebrauchs in der ersten eigenen Wohnung notwendig sein werden und diese in einer Art Checkliste festzuhalten.
Hier schon mal eine erste Aufzählung von Dingen, die ihr wahrscheinlich brauchen werdet:
- Möbel: Bett, Kleiderschrank, Schreibtisch, Stühle, Sofa, evtl. Küchenmöbel (Einbauküchen sind in vielen Mietwohnungen vorhanden.), Badezimmermöbel, Wohnzimmermöbel, usw.
- Elektrogeräte: Fernseher, evtl. Waschmaschine/Trockner (manche Mietshäuser haben eine Waschküche für die Mieter oder ihr nutzt einen Waschsalon), Föhn, Toaster, Mikrowelle, Staubsauger, Bügeleisen (& Bügelbrett)
- Einrichtungsgegenstände: Teppiche, Gardinen, Lampen, Spiegel, Uhren, Dekoartikel (z.B. Bilder)
- Haushaltsgegenstände: Geschirr, Besteck, Pfannen & Töpfe, Putz- & Spültücher, Bettwäsche, Handtücher, Kissen, Decken, Wäschekorb, …
Für die erste Ausstattung der Wohnung einen Betrag zu veranschlagen ist besonders schwierig. Manch einer gibt sich vielleicht schon mit einer Matratze auf dem Boden zufrieden, andere wollen mit einer exklusiven neuen Einrichtung ins neue Leben starten. Die meisten von euch werden wohl den Mittelweg wählen und versuchen eine hübsche, aber nicht zu teure Ausstattung zusammenzustellen. Mit etwa 1500 bis 2000 Euro sollte das machbar sein. Muss eine Küche angeschafft werden, liegt der Preis etwas höher.
Weil es schön werden soll: Wohnungsgestaltung und Umzug
Zwar wird die Wohnung in der Regel in bewohnbarem Zustand übergeben, aber die meisten werden trotzdem noch zu Farbe und Pinsel greifen, um den neuen Haushalt nach dem eigenen Geschmack zu gestalten. Was braucht man? Farben oder Tapeten und Malerbedarf. Eventuell werden ein paar Werkzeuge nötig sein.
Wenn ihr selbst Hand anlegt, sollten 100-200 Euro reichen. Wer einen Handwerker beschäftigen will oder muss, sollte hier einen zusätzlichen Kostenfaktor einplanen. Dabei sollte immer ein Kostenvoranschlag eingeholt werden!
❗ Vor Renovierungsarbeiten in der Wohnung in den Mietvertrag schauen, welche Veränderungen in der Wohnung erlaubt sind oder Erkundigungen beim Vermieter einholen!
Wenn alles vorbereitet und die Wohnung bereit für den Einzug ist, müssen noch all die neuen und alten Habseligkeiten hinein transportiert werden. Mit Hilfe von Freunden und Verwandten ist der Umzug normalerweise kein Problem und ihr werdet kein Umzugsunternehmen dafür brauchen. Eventuell stehen aber noch Kosten für das Leihen eines Transporters oder Anhängers an.

Auch das gehört dazu: Haushaltsgeld
Toilettenpapier, Zahnpasta, die Milch im Kühlschrank und das Salz für die Suppe: vieles, dass zu Hause bei den Eltern vielleicht einfach immer da war, muss jetzt selbst beschafft werden.
Zugegeben, der Begriff „Haushaltsgeld“ klingt etwas altbacken und erinnert irgendwie an die brav wirtschaftende Hausfrau aus den 50ern. Doch tatsächlich kann es sehr wichtig und hilfreich sein, zumindest grob zu veranschlagen, wie viel man monatlich für Nahrungsmittel, Hygieneartikel und ähnliches ausgeben muss und kann. Auch das hängt natürlich stark von euren eigenen Vorlieben und Gewohnheiten ab. Als grobe Richtschnur kann man für Lebensmittel und Hygieneartikel für eine Person aber etwa 200-300 Euro im Monat veranschlagen. Dazu sollte man noch gelegentliche Ausgaben für Kleidung, Haushaltsgegenstände und ähnliches einplanen.
Kleinvieh macht auch Mist: was sonst noch Geld kostet
Es gibt noch einige weitere Faktoren, die bei der Budgetplanung für das Leben in den eigenen vier Wänden berücksichtigt werden müssen. Einige wichtige Finanztipps wollen wie hier nennen:
- Kommunikation und Medien: Höchstwahrscheinlich habt ihr ein Handy, dazu kommen Telefon und Internet. Außerdem die monatliche GEZ-Gebühr (prüft, ob ihr für eine Befreiung in Frage kommt).
- Versicherungen: Hier können, müssen aber keine Kosten entstehen. Je nachdem wie alt ihr seid und welcher Tätigkeit ihr nachgeht, seid ihr eventuell in einigen Belangen (z. B. bei der Haftpflicht) weiter über die Eltern versichert. Das solltet ihr überprüfen. Was die eigene Wohnung angeht, kann eine Hausratversicherung sinnvoll sein. Sie deckt u. a. Schäden durch Feuer, Wasser oder Einbruchdiebstahl ab. Pflicht ist sie jedoch nicht.
- Mobilität: Solltet ihr ein Auto haben, kostet das natürlich auch Geld. Ebenso müssen Kosten für den öffentlichen Nahverkehr eingeplant werden, falls ihr diesen nutzt.
- Freizeitgestaltung und Hobbys: Ausgehen, Vereine, Kurse, Abos, evtl. Haustiere, usw.
Diese Liste ist natürlich nicht vollständig und die jeweiligen sonstigen Ausgaben sind sehr individuell. Überlegt euch genau, welche Kosten ihr für euch berücksichtigen müsst.

Was, wenn es finanziell knapp ist?
Manchmal ist ein Umzug unumgänglich, obwohl nur wenig Geld zur Verfügung steht. Hier ein paar Tipps, wie es auch bei kleinem Budget mit dem Umzug klappen kann:
Tipp 1: Kompromisse machen
Zentrumsnahe Wohnlagen und begehrte ‚Szeneviertel‘ sind teuer, während sich nur wenig außerhalb meist deutlich günstigerer Wohnungen finden lassen. Vor- und Satellitenstädte haben dabei oft eine gute Verkehrsanbindung, da hier viele Pendler leben. Eventuell kommt das ja auch für euch in Frage.
Und vielleicht muss es ja auch nicht gleich eine Wohnung ganz für euch allein sein. Das Leben in einer WG ist meist günstiger und kann eine großartige Erfahrung sein.
Auch das sogenannte ‚Wohnen für Hilfe‘ bietet eine gute Möglichkeit günstig zu wohnen. Solche Projekte gibt es bereits in vielen Städten. Sie vermitteln Wohnpartnerschaften zwischen älteren oder sonstigen hilfebedürftigen Menschen mit freiem Wohnraum und z. B. Studenten, die eine günstige Unterkunft suchen und bereit sind, dafür einige Stunden im Haushalt zu helfen. Ein entsprechender Mietvertrag hält die genaue Vereinbarung fest.
Tipp 2: Öffentliche Hilfen
Mit einem geringen Einkommen habt ihr eventuell Anspruch auf Wohngeld. Lasst euch gegebenenfalls bei den entsprechenden Stellen dazu beraten.
Dasselbe gilt für den Wohnberechtigungsschein. Mit ihm seid ihr berechtigt, öffentlich geförderten Wohnraum, sogenannte Sozialwohnungen, zu beziehen. Diese sind günstiger und manchmal auch leichter zu bekommen.
Eine weitere Möglichkeit, die aber gut überlegt werden sollte, sind Kleinkredite. Viele Kreditinstitute bieten kleine Darlehen unkompliziert und schnell an. Es kann verführerisch sein, sich auf diese Weise die Ersteinrichtung zu finanzieren. Manchmal geht es vielleicht auch nicht anders. Wer diese Möglichkeit in Betracht zieht, sollte aber in jedem Fall die Konditionen des Kreditangebotes genau prüfen und gut überlegen, ob die Rückzahlung keine Schwierigkeiten machen wird. Für Studenten und Auszubildende bieten sich hier vor allem die Förderkredite der KFW an.
Tipp 3: Günstig Einrichten
Für den Anfang müssen es nicht unbedingt nagelneue Möbel aus dem Möbelhaus sein. Gebrauchte Möbel, Elektrogeräte und andere Einrichtungsgegenstände findet man günstig in Kleinanzeigen, Tauschbörsen, in Sozialkaufhäusern oder auf dem Flohmarkt. Dabei kann man vielleicht sogar selbst kreativ werden und die Möbel noch etwas umgestalten. Dann wird die Einrichtung besonders individuell und liegt ganz im Upcycling-Trend.
Bei vielen Dingen kann man am Anfang etwas improvisieren und weitere Anschaffungen auf später verschieben. In der ersten Wohnung muss nicht gleich beim Einzug alles perfekt sein. Weitere Ratschläge haben wir dazu in unserem Ratgeber für Haus und Garten.
Fazit: gut geplant ist halb gewonnen
Die Aufzählung all dieser Kosten und die vielen Dinge, die es beim Umzug zu bedenken gibt, wirken jetzt vielleicht beängstigend. Davon solltet ihr euch aber nicht gleich verunsichern lassen.
Es macht Sinn, das (voraussichtliche) Einkommen und die Ausgaben, mit denen man jeden Monat rechnen muss, schriftlich gegenüberzustellen, bevor wirklich ein Mietvertrag unterschrieben wird und es an den Umzug geht. Auch die einmaligen Ausgaben beim Einzug in die erste Wohnung sollten gründlich überschlagen und ihre Finanzierung geprüft werden. Dabei solltet ihr nicht zu knapp kalkulieren, denn es kann immer passieren, dass etwas mehr kostet als geplant. Dann habt ihr einen guten finanziellen Überblick und könnt entspannt und mit mehr Sicherheit in das neue Leben starten.
Ja, der Weg in die erst eigene Wohnung kostet Geld und vielleicht auch Nerven, aber es lohnt sich. Denn mit guter Planung wird euch der Absprung gelingen und dann könnt ihr euch nach dem Einzug stolz auf dem eigenen Sofa zurücklehnen und die neue Selbständigkeit genießen.
Und letztendlich müsst ihr das alles ja wahrscheinlich auch nicht ganz allein bewältigen, sondern habt Familie und Freunde, die euch mit Rat und Tat helfen können.
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